S&T System Integration & Technology Distribution
Passion und Innovation | 06/2010
Der größte heimische IT-Gesamtanbieter hat seinen Restrukturierungsprozess abgeschlossen
und damit die Weichen für künftige Erfolge gestellt.
Mit ungefähr 2.600 Mitarbeitern
und einem Umsatz von
411 Millionen Euro im letzten
Geschäftsjahr ist S&T ein führender
Gesamtanbieter von Beratung,
Outsourcing, Systemintegration und ITServices
in Mittel- und Osteuropa sowie
in den deutschsprachigen Ländern. Die
seit 2003 an der Wiener Börse gelistete
Aktiengesellschaft mit Hauptsitz in
Wien ist in 18 europäischen Ländern
sowie in Japan (als Brückenkopf für das
Geschäft in Asien) mit hundertprozentigen
Tochtergesellschaften, in Russland
und China mit Minderheitsbeteiligungen
präsent. Das Kerngeschäft besteht
aus Beratung, Entwicklung, Implementierung
und Betrieb kundenspezifischer
IT-Lösungen, -Prozesse und -Systeme.
S&T betreut große und mittelständische
Unternehmen entlang der gesamten ITWertschöpfungskette.
Im Kompetenzfokus
stehen vorwiegend die Branchen
Fertigung, Handel, Telekommunikation,
öffentliche Verwaltung, Finanzdienstleistung
und Utilities.
Erfolg und Anerkennung.
Nach einem
Jahrzehnt fast ungebremsten Wachstums
– zwischen 1999 und 2008 verzehnfachte
sich der Umsatz beinahe –
stellte sich das Geschäftsjahr 2009 als
das wohl schwierigste der Firmengeschichte
heraus. Der Umsatz fiel konjunkturbedingt
um rund 18 Prozent, und
auf Grund notwendig gewordener Risikorückstellungen
für Problemprojekte
in Deutschland und Rumänien drehte
das EBIT zuletzt erstmals nach dem
ersten Börsejahr 1999 wieder ins Minus.
Trotz dieser nicht gerade erfreulichen
Umstände war das vorige Jahr aber auch
von viel öffentlicher Anerkennung und
wichtigen Projekterfolgen geprägt. So
listet die Gartner Group S&T als „Nr. 1
Consulting Services Provider" in Osteuropa,
Pierre Audoin Consulting (PAC)
weist in seiner jährlichen ERP-Rangliste
in Rumänien S&T wiederholt Platz 1 zu,
und in Serbien, Polen, der Slowakei und
Moldawien konnten richtungweisende
Projekte gewonnen werden. Auch eine
Kundenzufriedenheitsstudie gibt Anlass
zu Zufriedenheit über die hauseigene
Kompetenz, Vertragstreue und das Preis-
Leistungsverhältnis. Über alle Länder
hinweg verbesserte sich der diesbezügliche
Wert auf der sechsteiligen Skala
auf 2,2 gegenüber 2,3 im Jahr davor. Die
S&T Gruppe pflegt trotz grundsätzlicher
Neutralität in ihrer Produktpolitik teils
bereits seit der Gründung bestehende
Partnerschaften und Kooperationen mit
Key Playern wie beispielsweise HP, IBM,
SAP, Microsoft, Cisco oder EMC.
Neu aufgestellt.
Nach einer Phase der
akquisitionsbedingt regionalisierten
Struktur hat der vor einiger Zeit auf
vier Mitglieder erweiterte Vorstand dem
Unternehmen eine Organisationsform
nach Geschäftsbereichen verpasst (siehe
Kasten), die jeweils unter der Leitung
eines Vorstandsmitgliedes (Infrastruc-
ture Solutions: Peter Sturz, Business
Solutions: Peter Trawnicek) steht.
Außerhalb dieser beiden großen
Bereiche besteht noch das Geschäftsfeld
Healthcare Solutions. Es liefert innovative
Lösungen für den Gesundheitsbereich
und ist als langjähriger Partner
renommierter Gerätehersteller in fünf
Ländern zu einem wichtigen Ansprechpartner
für Krankenanstalten geworden.
Die Healthcare Solutions stehen
unter der direkten operativen Leitung
des Vorstandsvorsitzenden Christian
Rosner, zu dessen weiteren Aufgaben
als CEO Investor Relations, Corporate
Communications und der HR-Bereich
zählen. Als Finanzvorstand fungiert seit
fast zehn Jahren Martin Bergler. Zur Verstärkung
der Identifikation seitens des
Marktes treten seit Jahresanfang sämtliche
Gesellschaften einheitlich und ohne
individuelle Namenszusätze unter der
Dachmarke S&T auf. Die Country Manager
berichten je zur Hälfte an die Vorstände
Sturz und Trawnicek.
Gemeinsame Offerings.
Mit über 300
Millionen Euro leistet der Bereich Infrastructure
Solutions den Löwenanteil
am Gesamtumsatz. Dieser Geschäftsbereich
wurde im Vorjahr zudem deutlich
weniger vom Konjunkturabschwung
gebeutelt als die Business Solutions.
Peter Sturz kann dadurch eine über dem
Markt liegende Performance sowie ein
vergleichsweise befriedigendes EBIT
abliefern. „Partielle Einbrüche, zum
Beispiel in Ungarn oder der Ukraine, konnten wir kompensieren. Wir sind im
Servicegeschäft unter anderem durch
längerfristige Verträge gut aufgestellt,
um auch Krisensituationen zu überstehen.
Außerdem sind wir im Hardwaregeschäft
sehr vorsichtig bei Finanzierungen
geworden“, erklärt Sturz. Neue Impulse
erwartet er sich durch die Umsetzung
des Innovationsprojektes „Virtual Data
Center“ im Zuge einer dafür geplanten
Partnerschaft mit den Infrastrukturlieferanten
EMC und Cisco. Dabei handelt
es sich um eine Weiterentwicklung des
bestehenden Outsourcing-Geschäftes
unter kostenoptimierter Nutzung der
verteilt im Konzern vorhandenen personellen,
räumlichen, technischen und
Wissenspotenziale. Das Angebot reicht
vom Workplace-Management über detaillierte
Service-Offerings wie Remote
Services für den Datacenter-Betrieb bis
zu Application- bzw. SAP-Outsourcing.
Im Fokus gemeinsamer Angebote mit
dem Bereich Business Solutions stehen
Bestandskunden ebenso wie Neukunden.
Über das Virtual Data Center können
mittelgroße bis große Kunden (ab
ca. 500 Mitarbeiter) auch standardisierte
Leistungen wie Infrastructure as a Service,
SaaS oder Exchange as a Service
in Anspruch nehmen. Für heuer hat
sich S&T Infrastructure-Vorstand (COO)
Sturz das ehrgeizige Ziel gesetzt, den Vorjahrsumsatz
„klar zu übertreffen“. Peter
Trawnicek, erst seit wenigen Monaten
bei S&T an Bord, möchte mit dem von
ihm geleiteten Bereich Business Solutions
durch klare Vertikalisierung unter
Nutzung der im Konzern vorhandenen
starken Ressourcen für die Umsetzung
von SAP- und Microsoft-Lösungen, bei
mittleren und großen Kunden auch
durch individuelle Softwareentwicklung,
einen „großen Schritt nach vorne“
machen und dadurch für S&T auch in
diesem Bereich die Marke eines Integrationsunternehmens
sichtbar machen.
Nach der Aufarbeitung einiger Altlasten
aus dem Vorjahr soll spätestens ab dem
dritten Quartal auch bei den Business
Solutions wieder der Wachstumskurs
vorherrschen.
Passion.
CEO Christian Rosner zeigt
sich mit der Situation im ersten Quartal
noch unzufrieden. Es sei derzeit „Passion“
nötig, womit der Konzernchef wohl
beide Synonyme dieses Wortes – Geduld
und Ehrgeiz – gleichermaßen meint.
Geduld, weil zwar die Anzahl der Projekte
wieder zu steigen beginnt und ab dem
zweiten Quartal wieder alle Consultants
im Einsatz sind, dies jedoch frühestens
im zweiten Halbjahr ertragswirksam
wird. Ehrgeiz wohl deshalb, weil
sich der Erfolg angesichts der immer
noch sensiblen Marktsituation nur bei
außergewöhnlichem Einsatz erzielen
lässt. Die Grundlagen zur bestmöglichen
Nutzung der sich abzeichnenden Trendwende
seien allerdings gerade während
der Krise wesentlich verbessert worden.
Neben den oben erläuterten organisatorischen
Maßnahmen hat S&T „extrem
viel in die eigene Infrastruktur investiert
und durch Umsetzung eines umfassenden
SAP-Projektes einen einheitlichen
Service- und Prozesslevel über alle Länder
hinweg geschaffen“, so Rosner. Dies
sei ein „Core Offering des Konzerns“.
Die Marktentwicklung allgemein sieht
Rosner realistisch. Osteuropa werde wieder
„stärker kommen als der Westen“,
zudem gebe es in dieser Region außer
HP und IBM keine kompetenten, internationalen
Wettbewerber. Vor dem Jahr
2012 seien allerdings die Spitzenwerte
von 2008 – trotz der ausgerufenen Devise
„sell like hell“ – nicht erreichbar.
Finanzielle Basis.
Das Jahr 2010 ist laut
CEO Rosner durch Vereinbarungen mit
Banken „durchfinanziert“, für die Mitte
2011 und Mitte 2012 fälligen Anleihen
im Ausmaß von insgesamt rund 55 Millionen
Euro erwartet er „ein klassisches
Rollen dieser Anleihen“. Außerdem sei
sogar im schwierigen Jahr 2009 aus dem
operativen Geschäft ein positiver Cashflow
entstanden. Die Insolvenz der
Aktionärsgruppe AvW habe gemäß einer
Aussendung von S&T keinerlei wirtschaftlichen
oder operationalen Einfluss
auf das Unternehmen S&T, noch entstünden
diesem dadurch irgendwelche
Verpflichtungen und Lasten. In der Rolle
eines Übernahmekandidaten sieht Christian
Rosner sein Unternehmen nicht
gerne: „Es ist die Ambition des Vorstandes,
S&T als eigenständisches österreichisches
Unternehmen zu führen. Auf
die Entscheidungen von Großaktionären
haben wir allerdings keinen Einfluss.“
S&T System Integration & Technology Distribution
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