Instrumente zur Unternehmenssteuerung
BI-Boom durch Wirtschaftskrise | 11/2008
Der Markt für Business-Intelligence (BI)-Lösungen hat seit den großen Übernahmen von 2007 seine
Struktur verändert. it&t business sprach mit Anbietern über ihre zukünftigen Strategien und mit Beratern
über optimale Lösungen für ihre Kunden. Adrienne Nikoll
Durch die aktuelle
Börsen- und Finanzkrise
sind Business
Intelligence-Lösungen wieder
in den Mittelpunkt des
Interesses gelangt. Denn die
Unkenntnis über den aktuellen
Status des eigenen
Unternehmens – speziell im
Finanzwesen und im Risiko-
Bereich – hat manche Organisationen
an den Rand des
Ruins, und auch darüber hinaus,
gebracht.
Wie sieht der BI-Markt
nun aus? Nachdem lange Zeit
viele unterschiedliche Anbieter
mit fokussierten Lösungen
den Markt bildeten, setzte vor
einigen Jahren der Trend zu
integrierten Systemen ein, die
zum Teil auch durch Zukäufe
realisiert wurden. Der Übernahme-
Reigen der BI-Anbieter
in den letzten Jahren –
Cognos durch IBM und vorher
Applix (OLAP-Lösungen),
Frango (Konsolidierung) und
Platinum (Planung) durch
Cognos; Hyperion und OID
durch Oracle; BusinessObjects
(BO) und OutlookSoft
durch SAP – hat eine massive
Konzentration auf weniger
Softwarehersteller gebracht.
„Seit 2007 sind nur noch sieben
bedeutende BI-Anbieter
im Rennen, davon sind nur
drei, nämlich SAS, Information
Builders und MicroStrategy,
weiterhin unabhängig
und konzentrieren sich auf
BI und deren Optimierung
für offene Systemlandschaften“,
kennzeichnet Wolfgang
Mayer, Country Manager von
MicroStrategy in Österreich,
die Marktentwicklung, „die
übrigen BI-Anbieter, als Teil
großer Softwarekonzerne,
agieren zunehmend in den
geschlossenen Systemlandschaften
ihrer Muttergesellschaften.“
Seiner Meinung
nach würden diese Anbieter
in absehbarer Zeit aus
dem „Open-
Systems“-BIMarkt
aussteigen,
da „ihre
Un t e rnehnmenskulturen
und eigenen
Technologien
von den prop
r i e t ä r e n
S t r u k t u r e n
ihrer neuen Muttergesellschaften
absorbiert werden“.
„Stärken ausbauen“. Dieser
Aussage widerspricht
Oliver Oursin, Produkt- und
Lösungs-Architekt Cognos
Europe,
vehement: „Wir waren
immer stolz, ein ‚Best-of-
Breed‘-Anbieter zu sein und
wollen das auch in Zukunft
sein. Wir versuchen, unsere
Stärken weiter auszubauen
und unser Spezialthema
Performance Management
zu erweitern.“ Die Zugehörigkeit
zu IBM versetze die
Cognos-Mitarbeiter in die
Lage, nun eine umfassendere
Lösung aus Soft-und Hardware
anbieten zu können, so
Oursin. „Cognos passt genau
in unser Portfolio“, kommentiert
Andreas Stejskal, Leiter
der IBM Software Group in
Österreich die Übernahme,
„und wir können unseren
Kunden eine bessere Unterstützung
im Bereich Information
on demand bieten,
eine der Grundstrategien der
IBM.“ Cognos hat erst kürzlich
die neue Version 8 v4 auf
den Markt gebracht.
Der Anbieter von vorkonfigurierten
BI Lösungen Stas
setzt auf die Basis-Systeme
von Cognos und Cubeware.
„Bei unseren Kunden spielt
die zugrundeliegende BITechnologie
zwar eine Rolle,
sie ist aber selten ausschlaggebend,
dass sich ein mittelständisches
Unternehmen
für Stas Control entscheidet“,
betont Uwe Schulze,
Geschäftsführer von Stas.
„Unser Schwerpunkt liegt
auf den vordefinierten aber
anpassbaren betriebswirtschaftlichen
Inhalten, die die
schnelle Einführung garantieren.“
Sein Kommentar zum
neuen Cognos-Eigentümer:
„Die Übernahme von Cognos
durch IBM bewerten wir und
unsere Kunden sehr positiv,
da die langfristige Weiterentwicklung der Technologie
damit auf stabileren Füßen
steht.“
Strategischer Partner. Der in
Deutschland beheimatete BIAnbieter
Cubeware will seine
Expansion und Internationalisierung
unter den Fittichen
eines strategischen Partners,
der indischen Cranes Software
Group, weiterführen.
Die Cranes Unternehmensgruppe
bietet weltweit verschiedene
Produkte und
Dienstleistungen rund um
die Themen Unternehmens-
Statistik und -Analyse sowie
technische Simulation an.
Cubeware soll selbstständig
und mit der aktuellen Struktur
bestehen bleiben und in
der Gruppe zentrales europäisches
Technologiezentrum
werden.
Technische Integration. In
Richtung technische Integration
der zugekauften Lösungen
hat SAP die Weichen
gestellt. Durch die Übernahme
von BusinessObjects habe
der ERP-Anbieter seine BIStrategie
„entscheidend verändert“,
so Josef Kroer, Leiter
BusinessObjects Solutions,
SAP Österreich. Auf einer
integrierten Plattform auf
der Basis von SAP NetWeaver
werden nun zwei historisch
gewachsene Ansätze zusammengeführt:
einerseits SAP
ERP Solution und SAP Business
Warehouse Solution, die
sich auf die Anforderungen
von einzelnen Abteilungen
konzentriert hat, sowie andererseits
BusinessObjects BI
für firmenweite Strategien.
„SAP-Nutzern stehen nun
leicht zu bedienende Analyse-
und Reportingwerkzeuge
zur Verfügung, die
verständliche Vorausschau-
Modelle für schnelle, flexible
Entscheidungen auf allen
Managementebenen und in
Fachabteilungen ermöglichen“,
betont Kroer, „BusinessObjects-
Kunden haben
nun zusätzlich mit der auf
SAP NetWeaver basierenden
Plattform mehr und neue
Möglichkeiten für ERP-,
CRM- und SOA-Projekte.“
BusinessObjects wolle den
Weg der „offenen Systeme“
weitergehen, betont Kroer
den Investitionsschutz für
BO-Kunden. Dieter Macher,
Gründer und Geschäftsführer
des langjährigen BusinessObjects-
Partners Macher
Solutions,
sieht durch die
Übernahme eine Ausweitung
seiner Geschäftsmöglichkeiten:
„Für uns als BO-Partner
erschließt sich nun die SAPWelt,
die davor ja teilweise
in Konkurrenz gestanden
ist.“ Macher bietet mit Kxen
Datamining und dem Jedox
Excel Spreadsheet-Server
zwei ergänzende BI-Werkzeuge
an.
Gleichberechtigung. Gegen
ein „Schwarz-Weiß-Denken“,
wie es im „Best-of-Breed“-
Ansatz gegenüber einem integrierten
Lösungsansatz zum
Ausdruck kommt, spricht sich
Wolfgang Ennikl, Geschäftsführer
des unabhängigen
BI-Beratungsunternehmens
Cubido, aus: „Beide Ansätze
haben eine Berechtigung
und können sehr gut nebeneinander
existieren.“ Eine
BI Lösung müsse auf einer
soliden Basis stehen, um darauf
aufbauend auf spezifische
Benutzeranforderungen
gegebenenfalls mit Speziallösungen
reagieren zu können.
Als Beispiel nennt er einen
Anbieter, der seit einigen
Jahren beständig in diesen
Markt vordringt: „Microsoft
bietet mit den Produkten
rund um SQL Server, Office
und SharePoint ein integriertes
System, mit dem erfolgreich
der Grundstein für eine
BI Strategie gelegt werden
kann. Heute etablierte Standards
wie SQL, Webservices
oder MDX erlauben dann,
die Anforderungen gewisser
Benutzergruppen mit Hilfe
von situativ ausgewählten
Best-of-Breed Produkten zu
erfüllen. Die Antwort heißt
also nicht ‚entweder integriert
oder Best-of-Breed‘ sondern
‚solide Basis mit einem integrierten,
etablierten System
UND gegebenenfalls Lösen
von Spezialproblemen mit
Best-of-Breed‘“. Eine reine
Best-of-Breed-Strategie sei
jedenfalls sehr riskant, dazu
komme noch die Gefahr,
den Integrationsaufwand bei
mehreren Speziallösungen
zu unterschätzen, warnt der
BI-Experte.
Norbert Kainc, Geschäftsführer
von Confirm business
consulting, sieht als größtes
Problem, dass „manche Hersteller,
die andere übernommen
haben, die Integration
der Produkte keinesfalls auf
einen immer zufrieden stellenden
Level gehoben
haben.“ Daher solle der
Anwender bei den sogenannten
integrierten Produkten
die Qualität der Integration
umfassend testen und diese
im Rahmen von Proof-of-
Concepts den Hersteller auch
nachweisen lassen, rät Kainc.
„Es ist leider nicht alles integriert,
was gemeinsam verkauft
wird.“ Sein Resümée:
„Es sind nur wenige Anbieter
übrig geblieben und eigentlich
nur einer – nämlich
Microsoft – hat sein eigenes
Portfolio um wesentliche
Tools wie Reporting Services
und BI-Server erweitert.“
Cognos
www.cognos.at
Confirm business
consulting
www.confirm.at
Cubeware
www.cubeware.at
cubido
www.cubido.at
IBM Österreich
www.ibm.at
Macher Solutions
Österreich
www.machersolutions.at
MicroStrategy Austria
www.microstrategy.at
SAP Österreich
www.sap.at
Stas
www.stas.de